Wissen kompakt: Lebensmittelinfektion oder Lebensmittelvergiftung

Aufgrund unserer Erfahrung im medizinisch, pflegerischen Bereich wird immer wieder deutlich, dass ein Teil des Personals in Pflegeeinrichtungen mit Begrifflichkeiten nicht eindeutig und sauber umgeht. Wir sind der Meinung, dass zu einer klaren Kommunikation auch der korrekte Umgang mit Begriffen aus dem Alltag in solchen Einrichtungen gehört. Es macht nicht nur einen schlechten Eindruck, wenn Mitarbeiter im Gesundheitswesen gängige Begriffe falsch anwenden, weil ihnen die Bedeutung nicht näher bekannt ist. Dies kann auch zur fehlerhaften Informationsweitergabe führen, was dann unter Umständen in Hygienemängeln mündet. Mit unserem Hygieneblog möchten wir einen Beitrag dazu leisten, diesen Umstand zu verbessern und werden deshalb beginnen Begriffe leicht und verständlich zu erklären und voneinander abzugrenzen.

Lebensmittelinfektion oder Lebensmittelvergiftung

Lebensmittel WurstZwei Begriffe, die häufig in einem Atemzug genannt werden, bei denen es sich jedoch um zwei unterschiedliche Krankheitsbilder die auf Lebensmittel zurückzuführen sind handelt, sind die Lebensmittelinfektion und einer Lebensmittevergiftung.

Bei der Lebensmittelinfektion dringen Keime von kontaminierten Lebensmitteln durch Verzehr in den Körper ein und vermehren sich dort. Dieses führt zu den typischen Symptomen einer Gastroenteritis wie: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, Bauchkrämpfen und schmerzhaftem Stuhldrang. Klassische Lebensmittelinfektionen werden durch Salmonellen, Listerien oder Campylobacter hervorgerufen. Aufgrund der Hitzelabilität dieser Keime führt der Verzehr von durcherhitzten Lebensmitteln, sofern die Keime nicht nach dem Durcherhitzen durch den Hersteller auf das Lebensmittel übertragen werden, seltener zu Lebensmittelinfektionen. Dem möglichen Übertragungsweg durch die Hände muss im Lebensmittelbereich durch eine korrekte, zielgerichtete Händedesinfektion entgegengewirkt werden.

In Abgrenzung dazu spricht man von einer Lebensmittelvergiftung (auch Lebensmittelintoxikation genannt), wenn die Symptome durch Gifte entstehen, die von Mikroorganismen gebildet werden. Es kommt dabei nicht zur Vermehrung der Keime im Körper, den Schaden richten Stoffwechselprodukte von Bakterien an. Durch sich vermehrende Bakterien auf Lebensmitteln (bspw. nach längerem herumstehen dieser) wird das Lebensmittel mit den produzierten Giften kontaminiert. Darauffolgendes Abkochen tötet zwar den Keim, die Gifte überstehen diese Prozedur jedoch und führen dann zu den typischen, einer Lebensmittelinfektion ähnelnden  Vergiftungssymptomen. Eine Lebensmittelvergiftung führt im Gegensatz zur Lebensmittelinfektion sehr schnell zu heftigen Krankheitssymptomen, da sich die Keime im Körper nicht erst vermehren müssen um „krank zu machen“. Fieber gehört dabei häufig nicht zur Symptomatik. Ein häufiger Toxinproduzent ist Stapylococcus aureus, daneben können aber auch andere Keime wie Bacillus cereus oder Clostridien zu Vergiftungserscheinungen führen. Eine Mischform aus Lebensmittelinfektion und Lebensmittelvergiftung besteht dann, wenn sich die aufgenommenen toxinproduzierenden Keime erst im Körper vermehren müssen um krankmachende Mengen an Toxin zu bilden.

Neben den bakteriellen Toxinen kommen auch noch von anderen Organismen gebildete Toxine für die Ausbildung einer Lebensmittelvergiftung in Frage. Dazu zählen Pilzgifte (bspw. Muskarin), Mycotoxine (bspw. Aflatoxine und Mutterkornalkaloide), pflanzliche Toxine (bspw. Atropin), Metalle (bspw. Arsen) und Toxine von Meeresfrüchten (bspw. Tetrodotoxin).

Quelle: lebensmittelbedingte Erkrankungen-Informationen des RKI

3 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    zu dem Beitrag über Campylobacter (nicht Camphylobacter!) möchte ich noch etwas hinzufügen:

    Eine der häufigen Ursachen für diese Infektion ist der unsachgemäßer Umgang bei der Zubereitung von Geflügel, was größtenteils im eigenen Haushalt geschieht!

    Im Sommer passieren diese Hygienefehler häufig, wennGeflügel gegrillt wird. Die 2. Spitze dieser Lebensmittelinfektion ist im Januar, hervorgerufen u.a. durch falsches handling beim Fondue oder Raclette, ebenfalls wenn Geflügel mit auf dem Speiseplan steht!

    Das „Bundesinstitut für Risikowertung“ (BfR) hat dazu entsprechende Infos veröffentlicht, die über die homepage abgerufen werden können.

    Die MitarbeiterInnen in den Gesundheitsämtern (GesundheitsaufseherInnen/ Hygienekontrolleurinnen bzw. – Kontrolleure) sollten Erkrankte diesbezüglich beraten können, was jedoch nicht immer zu geschehen scheint…

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