Corona: Risiko senken mit Mundspülungen

Zellkulturexperimente mit acht verschiedenen Mundspülungen deuten darauf hin, dass der Einsatz von Mundspülungen das Ansteckungsrisiko durch SARS-CoV-2-Viren absenken könnte. Dabei handelt es sich nicht um ein Behandlungsmittel gegen Covid-19, wie die Bochumer Studienautoren betonen.

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Von NIAID – https://www.flickr.com/photos/niaid/49534865371/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=92612457

Die Gefahr der Infektion mit Sars-CoV-2 ist noch vor dem Auftreten von Symptomen am höchsten. Im Mund-Rachenraum ist die Viruslast zu diesem Zeitpunkt schon ausreichend hoch, um eine Infektion auszulösen. Aus Präventionsgründen kann es sinnvoll sein, diese Viruslast zumindest kurzfristig abzusenken, wie zum Beispiel vor Zahnbehandlungen oder vor unvernmeidlichen Kontakt mit Risikogruppen. Insofern liegt es nah, die Viruslast mit Mundspülungen abzusenken. Bisher hat es allerdings nur wenig Untersuchungen zur viruziden Wirkung mit Mundspülungen gegeben.

Bei nur wenigen Mundspülungen lag bisher ein Nachweis zur begrenzten Viruzidie vor, der benötigt wird, um die Wirksamkeit zum Inaktivieren von SARS-CoV-2-Viren zu belegen.

Genau dies zeigen die Virologinnen und Virologen der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam mit Kollegen aus Jena, Ulm, Duisburg-Essen, Nürnberg und Bremen in Zellkulturexperimenten. Das Autorenteam um Toni Meister, Prof. Dr. Stephanie Pfänder und Prof. Dr. Eike Steinmann aus der Bochumer Forschungsgruppe Molekulare und Medizinische Virologie veröffentlichte die Ergebnisse jetzt im The Journal of Infectious Diseases, Online-Veröffentlichung am 29.7.2020. Jedoch steht eine Überprüfung der Laborergebnisse in klinischen Studien aus. Damit lassen sich noch keine Rückschlüsse über die tatsächliche Absenkung der Viruslast oder der Dauer dieses Effektes ziehen.

Die Forscherinnen und Forscher testeten acht Mundspülungen mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen, die in Apotheken oder Drogeriemärkten in Deutschland erhältlich sind. Um der tatsächlichen Situation in der Mundhöhle nahe zu kommen, mischten sie jeweils die Mundspülung mit Viruspartikeln und einer Belastungssubstanz, die den Effekt des Speichels im Mund nachstellen sollte. Das Gemisch wurde dann für 30 Sekunden geschüttelt, um damit den Effekt des Gurgelns zu simulieren. Anschließend nutzten sie zur Bestimmung des Virustiters Vero-E6-Zellen, welche besonders empfänglich für Sars-Cov-2 sind. Zur Kontrolle behandelten die Forscher die eingesetzten Virussuspensionen vor Zugabe auf die Zellkultur parallel mit Zellkulturmedium anstatt Mundspülung.

Alle getesteten Präparate reduzierten den initialen Virustiter, was grundsätzlich die Methode der Mundspülung zur Veringerung des Infektionsrisikos interessant macht. Dass es beim Wirkungsgrad auf die Zusammensetzung des Biozids ankommt, hat das Ergebnis gezeigt, bei dem drei Mundspülungen den Virustiter so weit verringerten, dass nach 30 Sekunden Einwirkung kein Virus mehr zu detektieren war.

„Das Gurgeln mit einer Mundspülung kann nicht die Produktion der Viren in den Zellen hemmen“, erklärt Toni Meister, „könnte aber die Viruslast kurzfristig dort senken, wo das größte Ansteckungspotenzial herkommt, nämlich im Mund-Rachen-Raum – und das könnte in bestimmten Situationen wie beim Zahnarzt oder der medizinischen Versorgung von Covid-19-Patienten nützlich sein.“

Ob dieser Effekt auch bei Covid-19-Patienten nachweisbar ist und wie lange er anhält, soll jetzt in einer klinischen Studie zur Wirksamkeit von Mundspülungen auf Sars-Cov-2-Viren überprüft werden. Ähnliche Arbeiten laufen bereits in San Francisco.

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