MRE – Schnelltests können Kosten senken

Multiresistente Keime (MRE) werden inzwischen nicht nur in Fachkreisen als allgemeines gesellschaftliches Problem empfunden. Während in Deutschland der Kampf fast aussichtslos erscheint, können insbesondere skandinavische Länder mit der „search-and-destroy Strategie“ Erfolge erzielen. Durch Eingangsscreenings sollen MRE ausfindig gemacht werden, um dann konsequent dagegen vorgehen zu können. Wichtiger Faktor dieser Vorgehensweise ist es, sehr schnell zu erkennen, ob und mit welchen resistenten Keimen Patienten infiziert oder besiedelt sind. Tatsächlich gibt es inzwischen Nachweissysteme, die in Deutschland entwickelt worden sind, mit dem Ärzte innerhalb von vier bis fünf Stunden wissen, mit welchem resistenten Keim sie es zu tun haben und wie sie ihn bekämpfen müssen.

Nur wenige deutsche Kliniken arbeiten mit derartigen Systemen, vor allem wird oftmals der hohe Preis dieser Systeme gescheut. Als Beispiel wird ein System genannt, dass mit einem Anschaffungswert von 56.000 Euro als zu teuer empfunden wird.

Doch könnten sich die Zeiten ändern. Einerseits zeigen verschiedene Studien, dass die Kosten z.B. bei jedem MRSA-Patienten erheblich sind, andererseits zieht inzwischen die Politik in Erwägung, Screenings zumindest bei geplanten Klinikaufenthalten vorzuschreiben. Tatsächlich sehen Fachleute ein konsequentes Umsetzen der „search-and-destroy Strategie“ als einzigen Ausweg aus der derzeitigen Situation.

In einer Meldung des Internetdienstes heise.de wurde auf eine Berechnung aus den Niederlanden verwiesen: Am Beispiel von MRSA hat Alexander Friedrich, Leiter des Instituts für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene an der Uniklinik Groningen, berechnet, welche Therapiekosten für eine den Niederlanden vergleichbare deutsche Region entstehen. „Gelingt es, die MRSA-Rate auf das niederländische Niveau zu reduzieren, ließen sich pro Jahr 150 MRSA-assoziierte Todesfälle, 1000 lebensgefährliche MRSA-Infektionen und 10.000 nicht lebensgefährliche MRSA-Infektionen vermeiden“, sagt er. Das allein würde 120 Millionen Euro sparen. Würde man das auch auf andere Erreger extrapolieren, könnte sich laut Friedrich die Summe auf 1,5 Milliarden Euro pro Jahr addieren. Fast ein Klacks sind demgegenüber die jährlich 300 Millionen Euro, die in den Niederlanden in die medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene fließen. „Das lohnt sich auf jeden Fall“, lautet sein Fazit.

Zusätzlich hatte zum wirtschaftlichen Schaden für Krankenhäuser bei MRE die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) Zahlen veröffentlicht. Die Autoren gehen demnach davon aus, dass der Verlust für ein Klinikum pro MRE-Fall bei mindestens 8.000 Euro liegt. Schaut man sich die Daten genauer an, stellt man fest, dass die Kosten steigen, je später die Diagnose gestellt wird. Die Autoren kommen zu dem Schluss: “Dies wiederum führt zu der Folgerung, dass alle Hygienemaßnahmen zur Vermeidung der Weiterverbreitung von MRE und ein generelles Eingangsscreening, auch aus wirtschaftlichen Gründen eingeführt werden müssen.”

MRE und der wirtschaftliche Schaden für Krankenhäuser

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von National Institutes of Health (NIH) (National Institutes of Health (NIH)) [Public domain], via Wikimedia Commons