Infektionsrisiko Flüchtlinge

Viele Menschen, die auf der Flucht sind, erreichen uns in den letzten Monaten. Gleichzeitig wachsen auch Befürchtungen, Infektionen würden Europa erreichen, die eine ernsthafte Gefahr darstellen können. Oftmals kommen Flüchtlinge aus Ländern, wo die gesundheitliche Versorgung durch Bürgerkrieg oder Armut zusammengebrochen ist und das Impfniveau äusserst niedrig ist. Dennoch schlägt das Robert Koch-Institut (RKI) keinen Alarm.

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Mstyslav Chernov – Own work. Licensed under CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Der Masernausbruch vom Jahresanfang in Berlin könnte ein Vorgeschmack gewesen sein. So soll die Quelle bei Migranten aus dem Balkan gelegen haben. Die nachgewiesene Polioinfektion in der Ukraine hat den ein oder anderen aufgeschreckt. Dennoch beantwortet das RKI Fragen nach möglichen Risiken für die Bevölkerung beschwichtigend. „Wir sehen im Moment keine Gefahr für die Allgemeinbevölkerung“, so Andreas Gilsdorf vom RKI. Gelsdorf verweist vielmehr darauf, dass gerade in solchen Situationen der allgemeine Impfschutz, z.B. gegen Masern in Deutschland entsprechend wichtig sei.

Dennoch hat das RKI zu seltenen Infektionskrankheiten, die bei Flüchtlingen auftreten können, Informationen bereitgestellt. Im Epidemiologisches Bulletin Nr. 38 sind entsprechende Informationen für medizinisches Fachpersonal zu entnehmen.

Flüchtlinge seien eine gefährdete, weniger eine gefährdende Gruppe, da Stichproben unter Asylbewerbern in der Vergangenheit gezeigt haben, dass diese Personengruppe weniger an eingeschleppten Infektionen erkrankten, sondern vielmehr sich hier vor Ort infizierten. Gerade der nahende Winter könnte laut Gesellschaft für Virologie für die Flüchtlinge ein Risiko darstellen. Die Situation in den Unterkünften spielt nach Ansicht des RKI eine entscheidende Rolle. Auch ist das Risiko für Betreuer und Helfer entsprechend höher.

Nach Auskunft von „Medizinern bei Ärzten ohne Grenzen“ sind ernste körperliche Erkrankungen überaus selten. Insbesondere ist das Alter der Flüchtlinge niedrig, was sich positiv auswirkt.

Natürlich gibt es Infektionserkrankungen, wie Hepatitis A oder auch Windpocken oder mitgebrachte Krankheiten, wie Malaria oder Fadenwürmer. Typische Probleme in Massenunterkünften, wie Kopfläuse, gehören auch dazu.

Viele Mediziner in den Aufnahmeunterkünften arbeiten an der Grenze Ihrer Möglichkeiten. Auch sind die hygienischen Bedingungen nicht ideal und oftmals nicht winterfest. Ärztepräsident Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach hatte im August einen Brandbrief an seine Kollegen versendet, wo er an seine Kollegen appellierte: Jeder werde gebraucht, „ganz gleich, ob Vertragsarzt mit Zeit in den Abendstunden, Krankenhausarzt mit Kapazitäten am Wochenende, Ärzte in Familienzeit oder im Ruhestand.“