Künstliche Fingernägel in der Pflege

Ein besonders kontrovers diskutiertes Thema für weibliche Pflegekräfte ist das Tragen von künstlichen Fingernägeln (einschließlich dauerhafter Beschichtungen) bzw. Applikationen an den Fingernägeln bei der Verrichtung von pflegerischen Tätigkeiten. Hier treffen zwei gegensätzliche Aspekte aufeinander. Einerseits die persönliche Freiheit eines jeden Menschen sein Äußeres so zu gestalten wie man es möchte, andererseits die aus hygienischer Sicht unabdingbare Infektionsverhütung in der Pflege.

Hierzu muss eindeutig gesagt werden, dass die persönliche Freiheit dort endet, wo eine mögliche Gefährdung des zu Pflegenden beginnt. Die Gefährdung durch künstliche oder zu lange Fingernägel ist mittlerweile Expertenmeinung und wird durch eine Reihe von Studien gestützt.

Mehrere internationale Studien zeigen den Zusammenhang zwischen künstlichen Fingernägeln und dem gehäuften Auftreten nosokomialer Infektionen. Nosokomiale Keime werden durch Pflegepersonal mit künstlichen oder langen Fingernägeln vermehrt übertragen. Es wurde auch gezeigt, dass bei 87% der Mitarbeiter im Gesundheitswesen mit künstlichen Fingernägeln pathogene Mikroorganismen im Bereich der Fingernägel vorhanden sind. Im Gegensatz dazu tragen „nur“ 43% der Mitarbeiter mit natürlichen Fingernägeln pathogene Keime (Hedderwick et al., 2000). Außerdem wurde in dieser Studie gezeigt, dass sowohl die Länge der Fingernägel, als auch die Dauer des Tragens dieser eine gewichtige Rolle spielt. Kurz gesagt: je länger die Nägel, desto keimbelasteter und je länger diese schon angebracht waren, desto mehr Mikroorganismen konnten nachgewiesen werden. Das lässt darauf schließen, dass lange und / oder künstliche Fingernägel als Reservoir für pathogene Keime dienen.

In einer weiteren interessanten Studie von McNeil et al. (2002) wurde gezeigt, dass auch nach einer Händedesinfektion die Anzahl von Mikroorganismen bei Mitarbeitern mit künstlichen Fingernägeln signifikant höher ist, als bei Mitarbeitern ohne künstliche Fingernägel. Dieses wurde vor allem darauf zurückgeführt, dass die Händedesinfektion insgesamt im Bereich der Fingernägel nicht gut durchgeführt wurde und das bei künstlichen Fingernägeln versucht wurde so wenig wie möglich Händedesinfektionsmittel an diese kommen zu lassen, damit sie nicht beschädigt werden. Das Anbringen der künstlichen Fingernägel ist ja schließlich mit teilweise nicht unerheblichen Kosten verbunden, sodass einer schnellen Zerstörung der Fingernägel dadurch entgegengewirkt werden soll.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass künstliche Fingernägel für medizinisches Personal mit infektionsrelevantem Patientenkontakt nicht zulässig sind, da pathogene Mikroorganismen dort vermehrt gefunden wurden und deren gehäufte Übertragung ebenfalls durch Studien belegt ist.

Mehr dazu:
Künstliche Fingernägel aus krankenhaushygienischer Sicht, H. Hirschmann, Krankenhaus-Hygiene + Infektionsverhütung 01/2008; 30(5):174-175. 

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